Drei Jahre lang trainierte Philip Bußler (TSV Neuhausen-Nymphenburg) am VICTOR Landesleistungsstützpunkt (VICTOR LLSTP) in Nürnberg und besuchte parallel die Eliteschule des Sports. Nach dem Abitur blieb er dem VICTOR LLSTP in Nürnberg treu: Der 20-Jährige entschied sich einen Bundesfreiwilligendienst „Spitzensport“ (BFD) zu absolvieren.

Ein solcher BFD im Spitzensport ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Da Philip Bundesligastammspieler beim TSV Neuhausen-Nymphenburg ist, konnte er den BFD als Spitzensportler ableisten. Doch was bedeutet das überhaupt? Philip konnte im Rahmen seiner Arbeitszeit trainieren. Die restlichen Stunden gab Philip jüngeren Spieler*innen Training, betreute Lehrgänge oder half bei der Büroarbeit. Nun ist der BFD vorbei und Philip gibt im Interview Einblicke über das ereignisreiche, vergangene Jahr.

Monika Weigert: Warum hast du dich damals für die BFD-Stelle entschieden?

Philip Bußler: „Ich wollte eine neue Herausforderung haben und ich wusste auch noch nicht genau, was ich nach dem Abitur machen will. Ich wollte nicht ein Jahr Pause machen, deshalb habe ich mich für diese Stelle entschieden und mich sehr gefreut, dass es geklappt hat.“

Hat das Jahr dich in deinen Vorstellungen bestätigt?

„Ich dachte, ich kann in diesem Jahr selbst noch mehr trainieren. Ich habe tatsächlich mehr Zeit als Trainer auf dem Feld verbracht, als ich zu Beginn dachte. Die Büroarbeit sowie die Meetings mit den Trainern haben jedoch meinen Vorstellungen entsprochen.“

 Und inwiefern hat es dich weitergebracht?

„Mein Zeit- und Selbstmanagement hat sich auf jeden Fall sehr verbessert. Durch das Homeoffice und die flexiblen Arbeitszeiten musste ich lernen mir meine Zeit gut einzuteilen. Trotz der Flexibilität gab es auch zeitliche Deadlines für bestimmte Aufgaben und natürlich die Trainingseinheiten, zu denen ich pünktlich kommen musste. Somit hatte ich eine hohe Eigenverantwortung, was äußerst lehrreich für mich war und mir sicherlich in der Zukunft weiterhelfen wird.“

„Herausfordernd – ereignisreich – entwicklungsfördernd!“ – so beschreibt Phillip den BFD in drei Worten (Foto: Steffen Eirich)

Was hast du für Aufgaben übernommen?

„Ich hatte viele abwechslungsreiche Aufgaben. Ich habe Trainingseinheiten organisiert und durchgeführt mit unterschiedlichen Trainingsgruppen am VICTOR LLSTP in Nürnberg. Ich habe die Athlet*innen des VICTOR LLSTP auf nationalen und internationalen Turnieren betreut – zum Beispiel war ich einmal in Belgien. Hier musste ich mich um Dinge wie die Anreise und die Betreuung vor Ort kümmern. Ich hatte außerdem eigene Projekte gemeinsam mit Luki (Anm. d. Red.: Lukas Gunzelmann). Ich habe Grundschüler*innen den Badmintonsport gezeigt und eine neue Trainingsgruppe mit Luki auf die Beine gestellt – einmal in der Woche für Kinder zwischen sieben und neun Jahren.“

Du hattest also eine große Verantwortung. Wie sah dein Arbeitsalltag aus?

„Ich bin immer um 6:30 Uhr aufgestanden und dann ging es ins Frühtraining. Entweder habe ich dort selbst trainiert oder eine Trainingseinheit gegeben. Am Montag und Dienstag gab es im Anschluss ein Meeting mit den anderen Trainern, bevor es wieder nachhause ging. Dann habe ich Büroaufgaben aus dem Homeoffice erledigt. Gegen späten Nachmittag ging es wieder in die Halle, um selbst auf dem Feld zu stehen oder Training zu geben.“

Was hat dir besonders gut an dem BFD gefallen?

„Es war sehr abwechslungsreich. Ich hatte eine gute Mischung aus Büroarbeit, Trainingseinheiten und Turnieren. Außerdem haben mich die Kinder sehr positiv überrascht. Sie waren für ihr Alter schon sehr verlässlich und immer pünktlich. Das hat es für mich immer erleichtert – vor allem bei den Turnieren. Ich hatte dadurch nie Angst, ein Kind zu verlieren (lacht). Die Zusammenarbeit mit den anderen Trainern und den Kindern hat sehr viel Spaß gemacht.“

Und was eher nicht so?

„Jeden Tag zum Frühtraining gehen zu müssen. Das frühe Aufstehen war hart für mich.“

Als Student hast du ja wieder mehr Zeit zu schlafen. Du bist im August von Nürnberg nach Bonn gezogen. Was hast du dort vor?

„Ich studiere ab Oktober an der Universität in Bonn Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften. Was den Sport betrifft, werde ich sechsmal selbst in der Badmintonakademie Bonn-Beuel trainieren. Ich habe Lust, richtig Gas zu geben. Außerdem übernehme ich ein bis zwei Einheiten als Trainer für die U11er. Trotz des Umzugs bleibe ich meinem Verein – dem TSV Neuhausen-Nymphenburg – treu. Ich werde dort wieder in der 2. Bundesliga spielen.“

Philip bleibt für die Saison 2022/23 seinem bayerischen Verein treu (Foto: Anke Lütticke)

Welche Dinge hast du als Trainer/BFDler gelernt?

„Ich habe gelernt, das Training besser aufzubauen und an das Alter der Kinder und die Gruppengröße anzupassen. Ich konnte es auch verbessern, „Fehler“ in den Schlagbewegungen zu erkennen. Außerdem kann ich Kinder jetzt besser zum Sport motivieren. Allgemein würde ich sagen, dass ich in dem Jahr eine Trainerpersönlichkeit entwickelt habe.“

Würdest du ein FSJ/BFD nach der Schule weiterempfehlen?

„Ich würde es empfehlen. Es kommt aber auch daran an, welche Interessen man hat. Wenn man als Ziel hat, selbst ein besserer Spieler/eine bessere Spielerin zu werden, ist das schwierig. Aber wenn man das Trainer*in sein ausprobieren, den Arbeitsalltag kennenlernen oder selbständiger werden möchte, dann kann ich es auf jedem Fall empfehlen. Man bekommt einen neuen Blickwinkel auf die Sportart. Außerdem kann man sich in dem Jahr überlegen, was man später arbeiten möchte, falls man es nach der Schule nicht direkt weiß. Ich würde BFD‘lern empfehlen, sich vor dem Jahr Ziele aufzuschreiben, die man während des Jahres erreichen möchte.“

Wie war die Zusammenarbeit mit den anderen Trainern am VICTOR LLSTP?

„Sehr gut! Obwohl sie viel erfahrener als ich sind, haben sie mich immer ernst genommen. Ich konnte viel von ihnen lernen und sie hatten immer ein offenes Ohr für mich. Sie waren auch immer sehr herzlich zu mir, aber ich kannte sie ja auch davor schon gut. Also wir haben uns sowohl in der Halle als auch außerhalb sehr gut verstanden.“

Philip Bußler (l.) und Lukas Gunzelmann haben im vergangenen Jahr eng zusammengearbeitet

Welches persönliche Fazit ziehst du aus dieser Zeit?

„Ich habe gelernt, die Arbeit von einem Trainer/einer Trainerin mehr zu schätzen. Es ist teilweise ein harter Job. Ich kam in dem Jahr selbst öfter an meine Grenzen, aber wenn man dann miterlebt, wie sich die Kinder verbessern und bei Turnieren ihre Matches gewinnen, dann weiß man, dass sich die Arbeit ausgezahlt hat.“

Vielen Dank für das Interview und deine tatkräftige Unterstützung im letzten Jahr! Wir wünschen dir für dein Studium alles Gute!