Mit zwei Goldmedaillen und einer Silbermedaille avancierte Deutschland bei den Individual-Europameisterschaften 2022 in Madrid/Spanien (25. bis 30. April) mit Abstand zur erfolgreichsten Nation. Zwei Titelgewinne bei derselben Veranstaltung verbuchte der Deutsche Badminton- Verband (DBV) zuvor einzig vor 50 Jahren.

Bei den European Championships 2022 war ein Spieler gleich an beiden Turniersiegen beteiligt: Mark Lamsfuß gewann sowohl im Herrendoppel mit Marvin Seidel (beide 1. BC Wipperfeld) als auch im Mixed an der Seite von Isabel Lohau (1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) das EM-Finale. Isabel Lohau wurde zudem mit Linda Efler (SC Union Lüdinghausen) Vizeeuropameisterin im Damendoppel.

Ich bin erst einmal sprachlos und freue mich für die Spieler*innen, die auch die schwierigen Bedingungen hier in der Halle – mit den sehr schnellen Bällen – sehr gut angenommen haben. Sie haben zudem taktisch top agiert und sind auch in den schwierigen Phasen stabil geblieben“, zeigte sich Detlef Poste, der Chef-Bundestrainer im DBV, angesichts der bemerkenswerten EM-Bilanz von Madrid angetan. DBV-Sportdirektor Martin Kranitz ergänzte: „Das war eine starke Woche mit einem Wahnsinnsfinale. Glückwunsch an die Athlet*innen und das gesamte Team! Das war herausragend!

Der bis dato letzte Titelgewinn für Deutschland bei den Individual-Europameisterschaften datiert aus dem Jahr 2012: Vor zehn Jahren siegte Marc Zwiebler – ebenfalls in Karlskrona – im Herreneinzel.

Die deutschen EM-Medaillengewinner*innen. V.l.: Isabel Lohau, Marvin Seidel, Mark Lamsfuß, Linda Efler. (Foto: Claudia Pauli)

Mixed

Im ersten Match des letzten Veranstaltungstages in Madrid schrieben Mark Lamsfuß und Isabel Lohau bereits Badmintongeschichte: Sie gewannen als erste deutsche Paarung in der Historie der im Jahr 1968 eingeführten European Championships den Titel im Mixed. Im Finale am Samstag (30. April 2022) bezwangen die Weltranglisten-15. als Nummer vier der Setzliste Thom Gicquel/Delphine Delrue (Weltranglistenplatz 11; Setzplatz 2) mit 16:21, 22:20, 21:16. Die bisherigen drei Aufeinandertreffen hatten die Franzosen jeweils für sich entschieden.

Wir sind sehr glücklich! Es war ein hartes Spiel und sehr eng. Wir standen schon mit dem Rücken zur Wand, aber im dritten Satz hatten wir mehr Selbstvertrauen, waren mutiger, haben mehr agiert statt reagiert. Ich glaube, das hat letztlich den Unterschied gemacht“, meinte Isabel Lohau strahlend. Die 30-Jährige und ihr Mixedpartner hatten 2022 erstmalig in ihrer Karriere das EM- Finale erreicht. 2018 und 2021 gewannen die Olympiateilnehmer von Tokio bei den kontinentalen Titelkämpfen jeweils Bronze.

Herrendoppel

Im Herrendoppel stand der Turniersieg für das deutsche Duo bereits nach 36 Minuten fest: Im Finale behielten die amtierenden Vizeeuropameister Mark Lamsfuß/Marvin Seidel (Weltranglistenplatz 17; Setzplatz 2) gegenüber den Schotten Alexander Dunn/Adam Hall (Weltranglistenplatz 36; Setzplatz 6) mit 21:17, 21:16 die Oberhand und verbuchten damit den ersten Titelgewinn in dieser Disziplin für den DBV seit 1974. 

Damendoppel

Linda Efler und Isabel Lohau (Weltranglistenplatz 25; Setzplatz 4) gewannen unterdessen in Madrid die erste Silbermedaille für Deutschland im Damendoppel bei Individual- Europameisterschaften seit 2006. Seinerzeit hatten Nicole Grether/Juliane Schenk in Den Bosch/Niederlande das Finale erreicht. Die amtierenden Deutschen Meisterinnen unterlagen im Endspiel der European Championships 2022 den Schwestern Gabriela und Stefani Stoeva aus Bulgarien mit 14:21, 10:21. Die topgesetzten Weltranglistenneunten holten damit ihren dritten EM- Titel in Folge nach 2018 und 2021.

Das war eine verrückte Woche für uns. Vor allem das Spiel gestern war eine emotionale Achterbahn. Wir sind super happy. Das Ziel war eine Medaille und jetzt standen wir sogar im Finale. Zum Spiel heute: Die Stoevas waren einfach besser, das war vielleicht noch ein Level zu hoch“, analysierte Linda Efler.

Herreneinzel und Dameneinzel

Im Herreneinzel gewann der topgesetzte Weltranglistenerste Viktor Axelsen seinen dritten EM-Titel nach 2016 und 2018. Der Olympiasieger von Tokio entschied das Finale gegen seinen dänischen Landsmann Anders Antonsen (Weltranglistenplatz 3; Setzplatz 2) mit 21:17, 21:15 für sich. Auch bei den European Championships 2021 standen Viktor Axelsen und Anders Antonsen im Endspiel, allerdings konnte Viktor Axelsen zu diesem krankheitsbedingt nicht antreten, sodass sein Nationalmannschaftskollege seinen ersten EM-Titel „kampflos“ holte.

Im Dameneinzel baute Carolina Marin ihre Rekordserie aus: Die in Madrid an Position eins notierte Spanierin (Weltranglistenplatz 6) wurde zum sechsten Mal – noch dazu in Folge – Europameisterin in dieser Disziplin. Die Olympiasiegerin von 2016 hatte bereits 2014, 2016, 2017, 2018 und 2021 bei den kontinentalen Titelkämpfen triumphiert. In diesem Jahr setzte sich Carolina Marin im Endspiel mit 21:10, 21:12 gegen die Schottin Kirsty Gilmour (Weltranglistenplatz 20; Setzplatz 3) durch.