Drei Jahre lang trainierte Philip Bußler (TSV Neuhausen-Nymphenburg) am Landesleistungsstützpunkt in Nürnberg und besuchte parallel die Eliteschule des Sports. Auch nach dem Abitur kann der 19-Jährige nicht genug vom Badmintonsport bekommen: Ab August 2021 beginnt er einen Bundesfreiwilligendienst „Spitzensport“ (BFD) am DBV-Nachwuchsstützpunkt in Nürnberg.

Ein solcher BFD im Spitzensport ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Da Philip Bundesligastammspieler beim TSV Neuhausen-Nymphenburg ist, kann er den BFD als Spitzensportler ableisten. Doch was bedeutet das überhaupt? Philip kann im Rahmen seiner Arbeitszeit trainieren. Die restlichen Stunden gibt Philip jüngeren Spieler*innen Training, betreut Lehrgänge oder hilft bei der Büroarbeit. Monika Weigert sprach mit ihrem neuen Kollegen über seine bisherige Zeit in Nürnberg und das anstehende Jahr als Bundesfreiwilliger.

Monika Weigert: Du hast drei Jahre lang im Haus der Athleten gelebt, bist auf die Eliteschule des Sports gegangen und hast meist mindestens zweimal am Tag am Landesleistungsstützpunkt in Nürnberg trainiert. Wie blickst du auf diese letzten drei Jahre zurück?

Philip Bußler: „Die letzten drei Jahre waren eine sehr schöne Zeit. Ich konnte mich als Spieler auf dem Feld und allgemein als Mensch weiterentwickeln und viele neue Freundschaften und Kontakte knüpfen. Wenn ich noch einmal vor der Entscheidung stehen würde, an ein Sportinternat zu wechseln, würde ich mich wieder genauso entscheiden.“

Du hast schon so viel Zeit in den Badmintonsport gesteckt und jetzt geht es mit dem Bundesfreiwilligendienst noch weiter. Warum kannst du von dieser Sportart nicht genug bekommen?

Philip: „Mich fasziniert, wie sehr der Badmintonsport meinen Alltag und mein Leben geprägt hat. Ich möchte auch weiterhin, dass das so bleibt.“

„Aufregend – anstrengend – familiär!“ – so beschreibt Philip Bußler seine Zeit in Nürnberg mit drei Worten (Foto: DC-Fotografie)

Vor einem Monat hast du dein Abitur erfolgreich bestanden. Nach der Schule steht man vor der schweren Entscheidung, wie es weitergehen soll. Hattest du das Gefühl, die Trainer unterstützen dich dabei?

Philip: „Auf jeden Fall. Wir hatten einmal einen Beratungstermin mit dem OSP, bei dem uns mehrere Möglichkeiten, wie es nach dem Abitur weitergehen kann, vorgestellt wurden. Auch die Trainer hatten in individuellen Gesprächen ein offenes Ohr für mich und immer sinnvolle Vorschläge parat.“

Du hast dich schlussendlich für den Bundesfreiwilligendienst entschieden. Wie kam es dazu?

Philip: „Ich wollte, um ehrlich zu sein, nicht gleich studieren und wollte etwas Neues ausprobieren. Durch den BFD kann ich mich nicht nur selbst als Spieler weiterentwickeln, sondern auch meine Trainerkompetenzen voranbringen.“

Wie wird dein Alltag als BFD’ler aussehen?

Philip: „Ich werde weiterhin viel Zeit in der Badmintonhalle verbringen. Ich werde eigenständig jüngere Spielerinnen und Spieler trainieren und sie bei Lehrgängen betreuen. Allerdings werde ich auch selbst noch die Zeit haben, die ein oder andere Trainingseinheit zu absolvieren und in der Bundesliga beim TSV Neuhausen-Nymphenburg zu spielen. Durch das BFD lässt sich die Arbeit optimal mit dem eigenen Leistungssport kombinieren. Das ist perfekt für mich, denn ich möchte weiterhin erfolgreich Badminton spielen. Meine nächsten großen Ziele sind eine Medaille bei den Deutschen Meisterschaften U22 in Bonn und Podestplatzierungen bei den Deutschen Ranglisten.“

Auch während dem Bundesfreiwilligendienst wird Philip Bußler ausreichend Zeit für sein eigenes Training haben (Foto: BBV)

Was genau sind deine Aufgaben im BFD?

Philip: „Meine Aufgaben sind sehr vielseitig. Von Büroarbeit bis hin zu dem Betreuen von Trainingseinheiten ist vieles mit dabei. Ich freue mich schon alle Facetten des Trainerseins kennenzulernen.“

Für den Anfang ist es bereits eine große Verantwortung, eigenständig Trainingseinheiten zu geben. Hast du schon Trainererfahrung sammeln können?

Philip: „Ich durfte bei Tobias Wadenka den Trainerschein für den C Trainer Leistungssport absolvieren und aktuell mache ich meinen B-Trainerschein, den ich hoffentlich bestehen werde. Ich konnte also bereits theoretische und praktische Einblicke für das Trainersein gewinnen.“

Durch die vielen Jahre, in denen du mittlerweile schon trainierst, bist du vielen verschiedenen Trainer*innen begegnet. Welche Trainer*innen haben dich besonders geprägt? Hast du ein Vorbild für das Trainersein?

Philip: „In meiner Jugendzeit haben mich auf jeden Fall die Trainer*innen beim TuS Geretsried geprägt. Später dann unter anderem Oliver Roth, Eric Patz aus Neuhausen-Nymphenburg und natürlich die Trainer am Landesleistungsstützpunkt in Nürnberg. Jede*r Trainer*in, denen ich auf dem Weg des Leistungssports begegnet bin, hatte wertvolle Tipps für mich. Mein Vorbild ist Lukas Gunzelmann, weil ich bewundere, was er in den letzten Jahren rund um den Stützpunkt aufgebaut hat. Außerdem fasziniert mich, wie er es schafft Badminton zu vermitteln, obwohl er selbst nie auf dem höchsten deutschen oder internationalen Level gespielt hat.“

Im Laufe seiner Karriere ist Philip vielen Trainer*innen begegnet, die ihn auf und neben dem Feld geprägt haben (Foto: Raphael Ronga)

Was erhoffst du dir durch den BFD?

Philip: „Durch den Bundesfreiwilligendienst möchte ich mich selbst noch weiterentwickeln und es schaffen, junge Kinder für den Badmintonsport zu motivieren und zu begeistern. Ich möchte den jungen Spieler*innen etwas beibringen und sie auf dem Weg in den Leistungssport begleiten.“

Zu guter Letzt: Viele Jugendspieler*innen stehen früher oder später vor der Entscheidung, ob sie an ein Sportinternat wechseln möchten oder nicht. Hast du einen Rat für diese Spieler*innen?

Philip: „Ich denke man sollte auf sein Bauchgefühl hören. Auch wenn es schwer ist, sein gewohntes Umfeld hinter sich zu lassen. Mit genau solchen Entscheidungen eröffnen sich auch immer neue Türen und Möglichkeiten im Leben.“

Vielen Dank für das Interview und willkommen im Team des BBVs! Spätestens zum Ende des Bundesfreiwilligendienstes gibt es erneut ein Interview mit Philip Bußler, in dem er uns seine Erfahrungen schildern wird.

 

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